Die unbedachte Äußerung des R3 Banken-Konsortiums „no block chain because we don’t need one“ sorgte vor allem in den sozialen Medien für viel Wirbel. R3 war weithin als Blockchain-Konsortium bekannt, doch durch diese Äußerung wurde deutlich, dass wir viel mehr von „Distributed Ledger Technology“ (d.h. DLT) sprechen sollten. R3-Chef David Rutter war bemüht, die Aufregung zu relativieren und darzustellen, dass R3 zwar keine Blockchain Lösungen verfolgt (und dies nie getan hat). Sie setzen lediglich auf Blockchain-Konzepten auf.

Um dies zu differenzieren, ist es wichtig zu klären, was der genaue Unterschied zwischen Distributed Ledger Technologien und einer öffentlichen Blockchain (im Sinne von Bitcoin) ist.

Blockchain – Katalysator für den Handel der Zukunft?

In der Blockchain steckt für den Handel ein großes Potential. Besonders für automatisierte Abläufe eignet sie sich besonders.

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Beide Lösungen stellen technisch automatisiert Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien her, da einmal eingetragene Transaktionen und Daten nicht mehr rückgängig zu machen sind. In Entwicklerkreisen spricht man auch vom „Code-is-Law“ Prinzip. Der wesentliche Unterschied liegt darin, welche Parteien für die Teilnahme zugelassen werden. Öffentliche Blockchain-Lösungen verbinden einander unbekannte Teilnehmer in einem globalen Kontext und schaffen vollständige Transparenz über Transaktionen. DLT hingegen selektiert die Teilnehmer und hat aus diesem Grund auch alle notwendigen Informationen über diese – die Informationen sind allerdings nicht zwangsläufig zugänglich. Auch wenn beide Plattformen grundsätzlich über die gleichen Attribute wie Unveränderlichkeit, Transparenz, zeitliche Aufzeichnung und verteiltes Wissen verfügen, so unterscheidet sich ihr Anforderungsprofil doch deutlich. Bei öffentlichen Blockchains liegt der Fokus auf Sicherheit und Anonymität, wohingegen DLT die Teilnehmer auch überprüfen wollen. Das ist essentiell, um Anwendungen der Finanzbranche mit ihren regulatorischen Anforderungen möglich zu machen.

Das R3 Konsortium hatte schon bei der Gründung klargestellt, dass sie „eine Blockchain ähnliche“ Technologie nutzen werden, aber keine Blockchain. Diese Entscheidung ist sicherlich auch beeinflusst durch Partein wie unter anderem die Hongkong Securities and Futures Commission. Weiterhin soll eine Plattform für Banken, Zahlungsverkehr und Wertpapierhandel in Abgrenzung zu öffentlichen Blockchains zur Verfügung gestellt werden, unter Umständen auch mit Schnittstellen zu Regulatoren. Nachdem R3 sich auch als Dienstleister von Zentralbanken positionieren möchte, scheint der Schritt keine öffentliche Blockchain als Basis zu nutzen, nachvollziehbar und sinnvoll. Die Nutzung von öffentlichen Lösungen würde den Anforderungen der Bankenbranche nicht gerecht werden, die zugrundeliegende Logik von Blockchain eröffnet Banken nichts desto trotz enormes Verbesserungspotential.

Daraus kann man schließen, dass weder die Blockchain noch die DLT tot oder irrelevant geworden sind. Es handelt sich lediglich um eine Positionierung der einzelnen Player. Die Technologie ist in ein neues Reifestadium eingetreten.

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Kommentare zu "Die Blockchain ist tot. Es lebe die DLT!"